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Abschlussveranstaltung Projekt GW_4.0

Tool

Am 23.03.2026 präsentierte das vom BMFTR geförderte Projekt GW_4.0 am Umweltforschungszentrum der Universität Tübingen seine Ergebnisse vor lokalen Wasserversorgern und Behörden. Im Zentrum der Abschlussveranstaltung stand ein im Projekt entwickeltes Online-Planungstool, das die nachhaltige Grundwasserbewirtschaftung im Oberen Gäu und im Neckartal bei Tübingen unterstützen soll.

Das Projektgebiet ist geprägt durch eine vielfältige Landnutzung: rund 40 % der Fläche werden landwirtschaftlich genutzt, bislang ohne Bewässerung. Insgesamt sechs Wasserversorger bewirtschaften das Gebiet – darunter die Stadtwerke Tübingen, die bei der Veranstaltung ebenfalls vertreten waren.

Blick bis 2070: Unsicher – aber mit klarer Warnung

Ein Kernergebnis des Projekts ist die Modellierung der Grundwasserentwicklung bis ins Jahr 2070. Dabei zeigt sich eine hohe Unsicherheit in der Prognose der Grundwasserneubildung. Gleichzeitig ist die Richtung der Herausforderung deutlich: Selbst in einem grundsätzlich humiden Gebiet könnten künftig regelmäßig kritische Grundwasserstände unterschritten werden, wenn pessimistische Klimaprojektionen eintreten. Das gilt trotz Anbindung an die Bodensee-Wasserversorgung und selbst ohne bewässerungsintensive Landwirtschaft.

Die möglichen Konsequenzen reichen von Einschränkungen der Trinkwasserversorgung bis hin zu Nutzungskonflikten, falls landwirtschaftliche Bewässerung künftig zunimmt – etwa, wenn Sommerniederschläge weiter abnehmen. Was lange Zeit in Deutschland kaum diskutiert wurde, rückt damit in den Mittelpunkt: die Grundwasserquantität. Projekte wie GW_4.0 machen deutlich, dass sich die nächste Generation intensiv mit Verfügbarkeit und Verteilung der Grundwassermenge beschäftigen muss.

Das Online-Planungstool: Grundwasserprognose

Um Wasserversorger und Behörden bei dieser Aufgabe zu unterstützen, wurde innerhalb von GW_4.0 ein webbasiertes Online-Werkzeug entwickelt. Damit lassen sich saisonale Klimavorhersagen bereits heute in Prognosen zu erwartender Grundwasserstände im Neckartal und im Oberen Gäu übersetzen. Gleichzeitig ermöglicht das Tool, Eingriffe in das Grundwasser zu bewerten – etwa:

  • temporäre Wasserentnahmen,
  • neue Grundwassernutzungen,
  • oder betriebliche Änderungen (z. B. bei Brunnenbetrieb).

Ein zentraler Vorteil ist der automatisierte Datenfluss: Wetterdaten (u. a. DWD), Pegel-/Messdaten und weitere relevante Informationen werden automatisch in das System eingepflegt. Auf dieser Basis kann die hydrogeologische Situation für die nächsten sechs Monate prognostiziert werden – inklusive der Möglichkeit, optimierte Fördermengen abzuleiten.

Darüber hinaus erlaubt das Tool szenariospezifische Anpassungen: Muss beispielsweise ein Brunnen saniert werden, kann die Förderrate im Tool auf 0 gesetzt und die Auswirkung im Gesamtsystem bewertet werden. Das Modell wird monatlich aktualisiert, sodass neue Daten laufend in die Prognosen einfließen.

Ergebnisse auf einen Blick

Das Tool stellt verschiedene Ausgaben für Praxis und Verwaltung bereit, darunter:

  • Grundwasserstände,
  • Entnahmen im Modellgebiet,
  • Grundwassergleichenpläne,
  • Verläufe gemessener und berechneter Ganglinien.

Ein Handbuch sowie Bedienhinweise liegen bereits vor. Der Zugriff erfolgt derzeit nach Anmeldung über Ansprechpartner bei Kobus und Partner GmbH

Starke Resonanz aus der Praxis

Die Veranstaltung zeigte deutlich, wie hoch der Bedarf an praxistauglichen Prognose- und Planungstools ist: Von insgesamt 40 Teilnehmenden kamen 30 direkt aus Behörden und Wasserversorgung (Endnutzer). Das Interesse – insbesondere am Tool – war groß, und erste Anwendungsabsichten wurden bereits geäußert. Tool und Handbuch sollen in Kürze online verfügbar sein.

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