
Nachhaltige Bewirtschaftung braucht mehr Monitoring, nicht mehr Überwachung. Präzise, kontinuierliche Messungen schaffen Vertrauen und Wissen – beides ist unverzichtbar, wenn Hoch- und Niedrigwasser des Rheins die Chemie des Grundwasserleiters saisonal verschieben. NonTarget- und Targetanalytik belegen deutliche chemische Unterschiede zwischen den Jahreszeiten, jedoch keine relevanten Differenzen zwischen den beiden Einzugsgebieten: Am Grind wurden 330, in Flehe 280 und im Rhein 630 Merkmale identifiziert.
Probenahme Inntal, Foto @Anja Brotzeller
Die Ökologie zeichnet ein komplementäres Bild: Lebensgemeinschaften unterscheiden sich signifikant zwischen den Einzugsgebieten, bleiben über die Jahreszeiten hinweg jedoch bemerkenswert stabil. Diese Kombination aus ökologischer Signatur und analytischer Präzision erhöht den Informationsgewinn und zeigt besonderes Potenzial für die Bewertung der Landnutzung. Aus dem vertieften Systemverständnis entstehen prognosefähige Modelle, die eine wirklich gezielte Bewirtschaftung ermöglichen. Dabei müssen die Inhaltstoffe des Regens bei der Festlegung neuer Grenzwerte zwingend einbezogen werden, um saisonale und nutzungsbedingte Einflüsse realistisch abzubilden und die Resilienz der Trinkwasserversorgung zu stärken.
Die Ergebnisse fließen direkt in den FH-DGGV-Arbeitskreis Trinkwassereinzugsgebiete ein und werden durch regelmäßige Schulungen für Wassermeister, Behörden und Ingenieurbüros in die Praxis getragen. Von 2026 bis 2028 untersucht das MERCUR-Projekt PF-2025-41 (RUB, SWD, UDE) die Klimawandelbedrohungen für Trinkwasserquellen: wie zunehmende Flusshochwässer die Grundwasserströmung und -qualität beeinflussen. Die Projekterkenntnisse werden fortlaufend mit Anwendern (Wasserwerke, Behörden) und Verursachern (Landwirtschaft, Abwasserentsorger) gespiegelt, um wirksamen Praxistransfer zu sichern und unmittelbar in die Ausbildung der Partnerhochschulen einzubetten. Im Sommer 2026 entsteht eine Monitoringstrategie nach TWEzVO für SWD und Osterholz-Scharmbeck; ihre Übertragbarkeit wird geprüft und ins Inntal sowie zu den Stadtwerken Petershagen übertragen. Parallel erarbeitet SWD fortlaufend schadstoffgruppen-spezifische Managementanweisungen für den Pumpwerkbetrieb an den Standorten Flehe und Grind. So wächst aus Daten, Dialog und Didaktik ein belastbares Fundament für vorausschauende, adaptive und verantwortungsvolle Trinkwasserversorgung.

Vor-Ort Analytik, Standort Flehe, Foto @Isabell Erdmann

